Neues Europa

 
Wenn die Tschechische Republik vermutlich 2002 der EU beitreten wird, durchzieht die vormalige CSSR neben einer neuen Staatsgrenze zur Slowakei auch noch die verschobene Mauer der Festung EUropa. Aus dem vormaligen "Ostblock" ist eine Ansammlung von Kleinstaaten entstanden, die sich nun unter dem Dach des „gemeinsamen Hauses Europas“ neu zusammenfügen. Die Konstituierung der Europäischen Union nach 1989 und die Ausweitung der EU-Grenzen nach Mittel-, Zentral und Südosteuropa, die Einführung von EURO-Zone und Schengen-Land sowie der Beitritt in die NATO reformulieren die Exklusivität des "alten" Europas. Die Realitäten des ehemaligen sozialistischen Staatenbündnisses wie auch die der Länder des globalen Südens bleiben dabei ausgeblendet. Rumänien, Bulgarien sowie Ex-Jugoslawien oder Albanien bleiben sowieso vor der Tür. Die Fusion zu "einem Europa" erschafft neue Leitbilder und Identitäten für eine gesamteuropäische Identität und grenzt dementsprechend diejenigen aus, die der Vorstellung eines wirtschaftlich effizienten Europas nicht entsprechen. Die politische und mediale Produktion von Differenz steht im direkten Verhältnis mit den transnationalen Aktivitäten multinationaler Unternehmen, ebenso wie mit dem Protektionismus der neuen Staatskonstruktionen eines EUropas.
Diese Konstruktion der "Anderen" ist nicht stabil, sondern ist immer wieder wechselnden gesellschaftlichen und kulturellen Verhandlungen sowie Repräsentationsmustern unterworfen. Nicht zuletzt im Bereich der kulturellen Produktion sowie der Kunst erhalten Prozesse des Aus- und Einschlusses Sichtbarkeit; zugleich ist hier auch das Feld der gemeinschaftlichen Kontakte und Kooperationen. Insbesondere die net.art war ein verbindender Faktor für KünstlerInnen aus Ost- und Westeuropa.

Für MoneyNations2 in der Kunsthalle Exnergasse wurden aktuelle Themenschwerpunkte (Festung Europa, Staatsarchitektur und Geschlecht, Widerstandspolitiken und Media Tactics) entwickelt sowie thematisch fortlaufende Stränge des Projektes (z.B. MoneyNationsTV) vertieft. Dazu wurden neue KorrespondentInnen (MedienkünstlerInnen, AktivistInnen und TheoretikerInnen) eingeladen, mit denen der Schwerpunkt ost-west auf eine eher gesamteuropäische Fragestellung (Stichworte: neue Grenzen und Rassismus im Inneren, Normalisierung und Regionalisierung) erweitert wird. Die Perspektive von MoneyNations1 (Netzwerk Südosteuropa) wird darüber hinaus geographisch verschoben. Der Fokus liegt für Wien auch auf den EU-internen rassistischen Politken und aktuellen europäischen Widerstandsformen, sowie auf den Normalisierungsprozessen in den EU-Staaten, den zentraleuropäischen Länder und Ex-Yugoslawien. Diese Dynamik des Projektes stellt der Standort der neuen Ausstellung in Rechnung, da Österreich von den Ländern, die kurz vor der EUintegration stehen, umgrenzt wird und somit das Verhältnis von Zentrum und Peripherie im Projekt überdacht werden sollte.